Zum Jahresbeginn hat uns ein herzlicher Neujahrsgruß aus Ladakh erreicht. Unser Projektleiter Sonam Dorje sendet diese Karte mit den besten Wünschen für das neue Jahr – verbunden mit einem großen Dank an alle, die unsere Arbeit durch ihre Spenden möglich machen.
Auch wir wünschen Ihnen ein frohes, gesundes und zuversichtliches neues Jahr. Gemeinsam setzen wir uns auch im neuen Jahr für Bildung, Perspektiven und nachhaltige Entwicklung ein. Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung und freuen uns darauf, den Weg 2026 gemeinsam weiterzugehen.
Vom Unterricht zum Selbststudium — nachhaltige Förderung von Frauen mit Leseerfahrung
Im August und September war ich drei Wochen in Ladakh unterwegs, um die laufenden Projekte vor Ort zu besuchen und die Planung für den kommenden Winter zu besprechen. Während meines Aufenthalts besuchte ich verschiedene Dörfer im Zanskar-Tal und in der Region Senge La. Dort tauschte ich mich mit Lehrpersonen, Teilnehmerinnen und lokalen Verantwortlichen aus, um mir ein aktuelles Bild vom Stand der Projekte zu verschaffen.
Das Ziel dieser Reise war es, eine langfristige und tragfähige Lösung für das Bildungsprojekt zu entwickeln. Viele Frauen haben inzwischen lesen gelernt. Damit sie ihre Fähigkeiten weiter festigen und vertiefen können, startet ab dem kommenden Winter ein Pilotprojekt zum Selbststudium. Es ermöglicht den leseerfahrenen Frauen, eigenständig zu lernen und ihr Wissen kontinuierlich zu erweitern.
Zusätzlich unterstützen Frauen, die ihre Lesekompetenz weiter ausbauen möchten, als Assistentinnen den Unterricht. Dabei erhalten sie selbst Förderung durch Lektionen auf ihrem Niveau. Auf diese Weise entlasten sie die Lehrkräfte und tragen aktiv zum Lernerfolg Anderer bei.
Damit sie das Lesen auch über die Sommermonate hinweg üben können, treffen sich die Frauen an den Tagen, an denen Unterweisungen der Rinpoche (hochrangiger tibetischer Lama und Lehrer) stattfinden, bereits vor Beginn der Belehrungen und lesen gemeinsam.
Durch diese neue Struktur können Lehrpersonengehälter eingespart, mehr Teilnehmerinnen aufgenommen und die Bildungsprojekte langfristig gesichert werden.
Region Zanskar
In weiter Entfernung ist Padum zu erkennen, das Zentrum des Zanskar-Tals.
Vernetzung der Dörfer im Zanskar
Im Zanskar sind die Dörfer untereinander gut vernetzt. Einerseits besteht bereits seit einiger Zeit eine Strassenverbindung andererseits liegen die Dörfer nicht so weit voneinander entfernt wie in der Region Senge La. Seitdem fast alle Dörfer an das Mobilfunknetz angeschlossen sind, hat sich die Kommunikation zusätzlich verbessert. Dies hat den positiven Effekt, dass sich Informationen über das Bildungsprojekt schnell durch Mundpropaganda verbreiten und so auch in anderen Dörfern das Interesse daran wächst.
Technik trifft auf Tradition — Projektbesuche in entlegene Bergdörfer der Region Zanskar
zerbeult, laut und unaufhaltsam – dieses Auto kommt überall durch
Der Projektleiter Nawang Palden (im weiteren Text PLNP) konnte mich dieses Jahr aufgrund der Krankenpflege eines Familienangehörigen während meiner Besuche im Zanskar nicht begleiten. Im Dorf Pipcha traf ich Lama Sampel, einen Mönch aus dem benachbarten Kloster Barden. Im Winter unterrichtet er die Frauen. Wir unterhielten uns über die verschiedenen Lernmethoden, und er berichtete mir über seine Praxis im Unterricht. Aus diesem Gespräch ergab sich die Möglichkeit, ihn als meinen Fahrer und Begleiter zu gewinnen.
Gemeinsam besuchten wir die Dörfer im Lungnak-Tal, in denen im vergangenen Winter bereits Unterricht stattgefunden hatte, sowie ein neues Dorf, das beim PLNP eine Anfrage für die Aufnahme in das Projekt gestellt hatte. Für die übrigen Dörfer rund um Padum organisierte PLNP vor Ort einen Fahrer, sodass auch ich diese Dörfer besuchen konnte.
Trotz der schwierigen Umstände durch die Abwesenheit des PLNP und den oft abenteuerlichen Strassen – liess ich mich nicht davon abhalten, auch die entlegensten Dörfer zu besuchen. Wenn sich in einem Dorf niemand fand, der übersetzen konnte, half uns die Technik weiter: Wir schalteten PLNP per Videocall dazu, sodass Gespräche und Projektvorstellungen dennoch problemlos stattfinden konnten.
Kurgiakh, Akshow, Ubarak und Ichar – seit letztem Winter im Projekt mit dabei
Seit dem vergangenen Winter sind die Dörfer Kurgiakh, Akshow, Ubarak und Ichar Teil des Projekts. Im November 2024 wandten sich die Dorfvorsteher mit dem Wunsch an den PLPN, am Bildungsprojekt für den Winterunterricht 2025 teilzunehmen. Daraufhin besuchte er die Dörfer und stellte den Bewohner und Bewohnerinnen den Verein EAL vor. Diesen Sommer hatte auch ich die Gelegenheit, die Dörfer persönlich zu besuchen und die Frauen und Lehrpersonen kennenzulernen.
Kurgiakh – eines der höchstgelegenen Dörfer im Lungnak-Tal
Kurgiakh liegt auf rund 4.100 Metern Höhe am Fusse des Shinku La-Passes
Kurgiakh ist eines der letzten bewohnten Dörfer im Lungnak-Tal auf der Route, die über den Shinku-La-Pass (5’053 m ü. M.) nach Darcha und weiter nach Manali führt. Es ist eine der höchstgelegenen permanent bewohnten Siedlungen in der Region. Das Bergdorf zählt ungefähr 22 Haushalte. Die Dorfbewohner leben hauptsächlich vom Gerstenanbau und der Haltung von Schafen und Yaks.
Die Frauen sind zeitweise beim Strassenbau als Taglöhnerinnen beschäftigt. Ende des Monats kommt der Zahlmeister vorbei und bezahlt die Löhne bar aus. Bis vor kurzem mussten sie dafür ihre Fingerabdrücke geben. Dank des Winterunterrichts können sie seit dem letzten Winter den Zahlungsbeleg mit ihrem Namen unterschreiben, was ihre Selbstständigkeit und ihr Vertrauen stärkt.
Bei meinem Besuch konnte ich mich ausführlich mit dem Lehrer des Dorfes über Schule, Unterricht, Alltagsleben und Herausforderungen in dieser abgelegenen Region austauschen. Seine Offenheit und das Interesse an der Zusammenarbeit haben mich sehr beeindruckt und bestärkt, den Winterunterricht für Frauen über die nächsten Jahre zu unterstützen. Dabei wird deutlich, dass im Dorf eine starke Gemeinschaft spürbar ist und der Wunsch besteht, Bildung aktiv voranzubringen.
Spass und Austausch beim Treffen mit der Dorfgemeinschaft
Akshow
Akshow, ist ein grösseres Dorf im Zanskar-Tal. Es liegt etwa 50 Kilometer westlich von Padum an der Verbindungsstrasse von Kargil nach Padum. Die Strasse bringt Leben und Austausch ins Dorf. Die 330 Einwohner leben hier vorwiegend als Selbstversorger und eng verbunden mit der Natur. Sie verteilen sich auf 61 Haushalte, die fest in der Gemeinschaft verankert sind.
Ich war natürlich sehr gespannt darauf, das Dorf zu besuchen, die Menschen kennenzulernen und einen persönlichen Eindruck von ihrem Alltag und ihrer Lebensweise zu gewinnen.
Von weitem hörte ich die Trommeln. Vier Männer standen vor der Eingangstüre zur Community Hall und begrüssten mich mit ihren Trommelschlägen. Drinnen warteten die Frauen in ihren bunten Sonntagstrachten, stolz und würdevoll. Als ich eintrat, spürte ich sofort die lebendige, festliche Stimmung und die herzliche Verbundenheit der Dorfgemeinschaft.
Stolz und konzentriert lesen die Frauen das Gelernte vor.Strahlend zeigt Stanzin Disket alle Schulhefte der Teilnehmerinnen.47 Frauen nahmen am Unterricht teil. Er wurde von fünf Lehrpersonen geleitet.Den Abschluss bildete ein traditioneller Tanz, mit dem die Frauen ihre Freude und Verbundenheit zum Ausdruck brachten.
Ubarak
Ubarak liegt auf einer Terrasse oberhalb von Padum und bietet einen wunderbaren Blick über das weite Tal. Auch hier wurde ich herzlich empfangen. Das Dorf zählt 20 Haushalte. 12 Frauen nehmen am Unterricht teil. Der Besuch verlief ähnlich wie in den anderen Dörfern. In Gesprächen mit der Lehrperson und den Teilnehmerinnen berichteten die Frauen lebhaft von ihren Erfahrungen und lasen stolz aus ihren Schulbüchern vor.
Teilnehmerinnen mit ihrem Lehrer im Unterrichtsraum
Ichar
Teilnehmerinnen aus dem Dorf Ichar versammeln sich vor dem neu erbauten Gemeindehaus.
Das Dorf Ichar habe ich bereits im vergangenen Jahr besucht. Am Unterricht nahmen letzten Winter 17 Frauen teil. Die Lehrkräfte nahmen sich viel Zeit und gingen sehr gründlich vor: Besonders das Lesen und Schreiben des Alphabets in Bothi stand im Mittelpunkt. Schritt für Schritt begleiteten sie die Teilnehmerinnen, sodass jede Frau die Grundlagen sicher erlernen konnte.
Anmu, Raru, Mune und Pipcha – Entwicklungen seit dem Projektstart 2023
Anmu – Pilotprojekt für Frauen
Im Dorf Anmu waren die Fortschritte nach dem ersten Winterunterricht beeindruckend. Im letzten Winter zeigte sich jedoch, dass die Frauen beim Lernen an ihre Grenzen gelangten – ein natürlicher Prozess nach einer intensiven Anfangsphase. Ihr Interesse am Lesen und an der tibetischen Sprache Bothi ist aber ungebrochen. Sie möchten weiterhin gemeinsam lesen und das Gelernte festigen und vertiefen.
Als Weiterführung dieser Entwicklung startet in Anmu nächsten Winter ein Pilotprojekt für Frauen, bei dem das Selbststudium im Mittelpunkt steht. Zwei Frauen, die besonders gut im Lesen sind, werden die vier übrigen Teilnehmerinnen beim Lesenlernen unterstützen. Eine besonders talentierte Frau im Nähen wird ihr Wissen an die anderen Frauen weitergeben. Der Lehrer Sampel begleitet das Projekt und wird die Unterrichtsklasse einmal pro Woche besuchen, um die Frauen beim Lernen zu unterstützen und den Austausch zu fördern.
Raru, Mune und Pipcha – Erfahrungen aus den Projektdörfern
Die drei Dörfer Raru, Mune und Pipcha habe ich zum dritten Mal besucht und mich mit den Frauen sowie den Lehrkräften ausgetauscht. Die Routinen im Unterricht ähneln denen vom letzten Jahr und verdeutlichen, dass die Abläufe inzwischen gut funktionieren.
Treffen bei den Frauen in Pipcha
In den Gesprächen haben wir auch das Selbststudium thematisiert. Während der Sommermonate besuchen die Rinpoche die Dörfer und halten Unterweisungen ab – kurze Lehrreden oder Anleitungen zu buddhistischen Themen. Die Frauen sind im Sommer auf den Feldern sehr beschäftigt. An den Tagen der Unterweisungen arbeiten sie jedoch nicht, sodass sich die Gelegenheit bietet, vor den Treffen zusammenzukommen, um das im letzten Winter Gelernte zu wiederholen. Es muss daran gearbeitet werden, dass das Lesen auch im Sommer zur Selbstverständlichkeit wird und die Lesekompetenzen nicht verloren gehen.
Zum Abendessen in Pipcha eingeladen: Momos – frisch zubereitet von den Dorffrauen
Drei neue Dörfer für kommenden Winter aufgenommen — Bakersey, Testa und Lower Kumik
Ich besuchte die drei Dörfer, um das Erwachsenenbildungsprojekt vorzustellen. Da der PLNP nicht persönlich anwesend sein konnte, schalteten wir ihn per Videoanruf hinzu. So konnte er das Projekt direkt in ihrer Sprache erklären und gleichzeitig meine Fragen und die der Teilnehmerinnen beantworten.
Die Dorfgemeinschaften verfolgten interessiert die Präsentation, beteiligten sich aktiv am Austausch und zeigten grosses Interesse an den Inhalten des Projekts. Inzwischen haben sich die Dörfer direkt beim PLNP gemeldet und ihr Interesse bekundet, am Erwachsenenbildungsprojekt teilzunehmen.
Bakersey
Die Streusiedlung Bakersey erstreckt sich am linken Flussufer und zählt rund 110 Einwohner.
Bakersey liegt an der Hauptverbindungsstrasse zwischen Padum und Kargil, unweit des Dorfes Akshow. Im kommenden Winter werden etwa 27 Frauen am Unterricht teilnehmen.
Im Gespräch mit den Frauen zeigte sich, dass zwei Frauen bereits sehr gut Bothi lesen können. Sie möchten ihre Lesekompetenz weiter ausbauen. Da die anderen Teilnehmerinnen noch nicht lesen können, wäre der Unterschied im Lernniveau zu gross gewesen. Deshalb unterstützen die beiden Frauen nun als Assistentinnen die Lehrkraft beim Unterricht. So erhalten sie gezielte Förderung in Einzellektionen, helfen gleichzeitig den anderen Teilnehmerinnen beim Lernen und entlasten die Lehrkräfte. So entsteht ein dynamisches Miteinander, in dem alle voneinander profitieren.
Testa
Testa liegt weit hinten im Lungnak-Tal auf dem Weg von Padum nach Manali und zählt rund 25 Haushalte. Der Sendemast in der Bildmitte sorgt für Internet- und Mobilfunkversorgung.Die Frauen verfolgen aufmerksam und neugierig die Präsentation.
Lower Kumik
Lower Kumik liegt nur 15 Autominuten von Padum entfernt. Die junge, wachsende Siedlung im Zanskar-Tal besteht derzeit aus rund 20 bis 30 Haushalten, die aus dem höher gelegenen, vom Wassermangel betroffenen Dorf Kumik zugezogen sind.
Das Dorf ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie der Klimawandel das Leben ländlicher Berggemeinschaften direkt beeinflusst. Das ursprüngliche, historische Dorf Kumik, auf einer höheren Geländeterrasse gelegen, litt unter massiver Wasserknappheit, da die traditionellen Gletscherquellen versiegten. Um das Überleben der Gemeinschaft zu sichern, mussten viele Familien umziehen und Lower Kumik in der Nähe zuverlässigerer Wasserquellen gründen.
Die Gemeinschaft zeichnet sich durch grosse Anpassungsfähigkeit und einen starken Willen zum Neuanfang aus. Besonders die Erwachsenen – vor allem die Frauen, die oft die Hauptlast der täglichen Arbeit und der Wasserbeschaffung tragen – spielen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung dieser Umweltkrisen.
Als neue Teilnehmerinnen im Projekt freuen sich die Bewohnerinnen von Lower Kumik darauf, im kommenden Winter erstmals am Unterricht teilzunehmen.
Mit grossem Interesse diskutieren die Frauen über Lernmöglichkeiten
Ausblick auf den nächsten Winter
In der Region Zanskar wird der Winterunterricht für Erwachsene auch im kommenden Jahr fortgeführt. Für den Winter 2025/2026 wurden drei neue Dörfer aufgenommen. Ein Dorf scheidet aus, und ein weiteres setzt den Unterricht künftig selbstorganisiert als Selbststudium fort. Insgesamt nehmen nun 10 Dörfer am Projekt teil. Der Verein EAL budgetiert für den Winterunterricht 2025/2026 insgesamt 19 Lehrpersonengehälter.
Winterunterricht Sheela
Primarschüler und Primarschülerinnen und ihre Lehrkräfte in Sheela
Das Dorf Sheela wurde im Projektbericht 2023 bereits im Zusammenhang mit der Erwachsenenbildung vorgestellt.
Den Dorfbewohnern ist wichtig, dass nicht nur finanziell besser gestellte Kinder den Winterunterricht besuchen können. Damit alle Kinder am Unterricht teilnehmen können, haben sie aus eigener Initiative organisiert, dass ein Lehrergehalt finanziert wird und sie selbst das zweite Lehrergehalt bezahlen.
Seit letztem Winter unterstützt der Verein EAL den Winterunterricht für Kinder. Der Verein EAL übernahm das Gehalt einer der beiden Lehrpersonen, wodurch 25 Kinder am Unterricht teilnehmen konnten.
Durch den Austausch mit den Lehrkräften vor Ort konnte ich mir einen guten Überblick über ihre Arbeit und die Situation der Kinder verschaffen. Der Winterunterricht für Kinder wird wie im Vorjahr weitergeführt. Der Verein EAL übernimmt erneut das Gehalt einer Lehrperson, um den Kindern kontinuierliches Lernen zu ermöglichen.
Region Senge La
Plötzlicher Wintereinbruch: Schnee und Regen verwandeln die Strasse in rutschige Schlammstrecken.
Nach dem Besuch der Region Zanskar reiste ich weiter in die Region Senge La. In Yulchung traf ich mich mit Lobzang Rinchen. Noch am Vortag hatte das Thermometer im Zanskar über 30 °C angezeigt – kaum vorstellbar, dass am nächsten Tag ein plötzlicher Wintereinbruch einsetzen würde, der die ganze folgende Woche anhielt. An eine Weiterreise war nicht zu denken, sodass ich sechs Tage in Yulchung festsass.
Schon auf dem Weg von Padum nach Yulchung bekam ich einen ersten Vorgeschmack auf die gefährlichen Bedingungen: Ein riesiger Felsblock hatte die Straße versperrt und musste erst gesprengt werden, bevor die Fahrt weitergehen konnte. Umso größer war die Erleichterung, Yulchung endlich zu erreichen – und die Freude, die Frauen aus dem Dorf wiederzusehen, denn ich kenne sie bereits seit über zehn Jahren.
Gemeinsam mit Sonam Dorje war ursprünglich ein Besuch der Dörfer Skiumpata, Lingshed und Dipling vorgesehen, um mit den Frauen darüber zu sprechen, wie sie ohne Lehrkräfte selbst oder gemeinsam im Selbststudium das Lesen pflegen können. Möglichkeiten dafür bieten sich etwa während der Pausen bei der Feldarbeit oder in ihrer freien Zeit zu Hause. Doch der langanhaltende Regen und Schneefall hatte die Strasse nach Lingshed durch Erdrutsche und Steinschlag unpassierbar gemacht weshalb ich schliesslich direkt nach Leh zurückkehrte.
Lingshed
Winterunterricht in Lingshed
Nach vielen Jahren regelmässigen Winterunterrichts wird dieser in Lingshed nun nicht mehr offiziell angeboten. Dennoch setzten die Nonnen des Klosters den Unterricht aus eigener Initiative fort. Dreizehn Frauen zeigten weiterhin grosses Interesse ihre Kenntnisse, insbesondere im Fach Bohti, zu vertiefen. Mit ihrem unentgeltlichen Engagement ermöglichen die Nonnen den Teilnehmerinnen, das Erlernte zu festigen und weiter auszubauen. Diese Fortsetzung des Unterrichts zeigt eindrucksvoll, wie stark das Bildungsinteresse im Dorf ist und welchen wichtigen Beitrag die Nonnen für die Weiterbildung der Frauen in Lingshed leisten. Damit setzt die Dorfgemeinschaft ein wichtiges Zeichen für lebenslanges Lernen und gemeinschaftliche Bildung.
Dipling – ein abgelegenes Dorf in der Region Senge La
Versammlung in Dipling
Dipling liegt in einem fruchtbaren Tal. Aufgrund seiner Abgeschiedenheit leben die rund 145 Einwohnerinnen und Einwohner weitgehend autark. Der nächste grössere Ort ist Lingshed.
Ich besuchte Dipling im Jahr 2018 – damals war das Dorf nur zu Fuss erreichbar. Inzwischen wird intensiv an einer Strasse gebaut. Heute muss man nur noch etwa drei Stunden zu Fuss gehen, um Dipling zu erreichen. Seit 2018 ist das Dorf Teil des Projekts. Allerdings konnte nicht in jedem Winter Unterricht stattfinden, da es zeitweise an Lehrkräften fehlte. Für den kommenden Winter möchten die Frauen jedoch wieder mit dem Unterricht beginnen.
Nachdem sich die Wetterlage beruhigt hatte, besuchte Sonam Dorje im September das Dorf Dipling. Er berichtete: „Auch in Dipling habe ich mit Frauen gesprochen, die grosses Interesse daran zeigen, mehr zu lernen. Besonders Frauen zwischen 40 und 50 Jahren möchten sich im Winter, wenn die Feldarbeit ruht, weiterbilden und lesen vertiefen.“
Inzwischen haben die Frauen auch einen Lehrer gefunden – einen Einheimischen und lokalen Amchi (traditionellen Heiler). Er kann lesen und schreiben und versteht zudem die Bedeutung der Texte, die die Frauen studieren möchten. Besonders interessiert sind sie an Schriften, die sich mit dem Übergang zwischen Tod und Wiedergeburt befassen und als spirituelle Wegweisung für diese Phase gelten.
Primarschule Yulchung
In Yulchung wurde die Dorfschule in eine Internatsschule umgewandelt, damit die Kinder ihre Freizeit nutzen können, um zu lernen und ihre Hausaufgaben zu erledigen. Das Projekt wird derzeit vom Staat noch nicht offiziell anerkannt, nur die Lehrergehälter werden staatlich bezahlt, sodass die lokale Bevölkerung die übrigen Kosten trägt. Solange die staatliche Genehmigung aussteht, hat der Verein EAL zugesagt, sich finanziell an den Essenskosten zu beteiligen. 21 Kinder profitieren bereits von diesem Angebot.
Mittagspause in der Internatsschule Yulchung
Zusammenfassender Bericht: Winterunterricht 2024/2025 für Kinder und Jugendliche in der Region Senge La
Im vergangenen Jahr fand der Winterunterricht in den Dörfern der Region Senge La mit rund 150 Schülerinnen und Schülern statt. Dank der Spendengelder konnten fünf Lehrpersonen vom Verein Education for Adults zur Verfügung gestellt werden. Die Kinder erhielten schulische Unterstützung in den Fächern Mathematik, Englisch, Hindi, Bothi und Naturwissenschaften. Zum Abschluss wurden Prüfungen abgehalten, die alle Schülerinnen und Schüler erfolgreich bestanden.
Auch im kommenden Winter wird der Unterricht voraussichtlich in ähnlicher Form stattfinden. Der Verein EAL stellt hierfür finanzielle Mittel für fünf Lehrpersonen bereit, die erneut die Kinder in den verschiedenen Fächern unterstützen werden. Damit wird die kontinuierliche Förderung der Schülerinnen und Schüler in der Region sichergestellt.
Die Kinder in Yulchung geniessen ihre Znüni-Pause während des Winterunterrichts.Schülerinnen und Schüler konzentriert bei der Arbeit
Hockeycamp in Skiumpata – Gemeinschaft, Einsatz und Freude am Spiel
Warm-up mit den Kindern des Hockeycamps in Skiumpata
Im Winter 2025 fand in Skiumpata erneut das beliebte Hockeycamp statt, organisiert vom Verein Lotsawa Youth Welfare Skiumpata Gongyok. Schon Wochen vor dem ersten Anpfiff herrschte emsiges Treiben: Die Vorbereitung des Eisfeldes ist jedes Jahr eine echte Herausforderung – und zugleich ein schönes Beispiel für den grossen Gemeinschaftsgeist im Dorf.
Der Hockeyring selbst ist zwar vorhanden, doch bevor die ersten Kufen über das Eis gleiten können, wartet viel Arbeit. Zuerst wird die Fläche sorgfältig von Steinen, Ästen und Schutt befreit. Anschliessend füllen die Helferinnen und Helfer jede Unebenheit mit Sand auf, um eine möglichst ebene Spielfläche zu schaffen. Alles geschieht in mühsamer Handarbeit – mit Schaufeln, Besen und viel Geduld.
Wenn die Fläche vorbereitet ist, wird sie Schritt für Schritt gewässert. Dabei entsteht ein natürliches Eisfeld, das je nach Temperatur und Wetterbedingungen unterschiedlich ausfällt. Meist bleibt die Oberfläche etwas uneben und holprig – kein perfekt glattes Eis wie in grossen Stadien, sondern echtes Natureis, das seinen ganz eigenen Charakter hat. Doch wenn schliesslich das Eis steht, ist die Freude gross: Die Kinder können es kaum erwarten, ihre Schläger zu greifen und loszulegen.
Strahlende Gesichter beim Hockeycamp – alle Stöcke in die Höhe!
Für den kommenden Winter ist bereits das nächste Camp geplant. Wie schon im letzten Jahr wird Lobzang Yangjor, der Vize Präsident des Hockey Vereins, die Organisation übernehmen. Der Verein EAL unterstützt weiterhin das Hockeycamp in Skiumpata.
Ausblick Wie bereits in den vergangenen Jahren erfolgreich etabliert, wird das Erwachsenenbildungsprogramm im Zanskar-Tal und in der Region Senge La auch im kommenden Winter fortgeführt und weiter ausgebaut.
Der Winterunterricht für Kinder und Jugendliche findet ebenfalls wieder statt, und auch das beliebte Hockey-Camp wird erneut durchgeführt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Winter auf einem neuen Pilotprojekt: Das Selbststudium für leseerfahrene Frauen. Es soll ihre Lesekompetenzen beibehalten und vertiefen, die Lehrpersonen entlasten und damit zur langfristigen Sicherung der Bildungsangebote beitragen.
Der Verein Education for Adults in Ladakh (EAL) spielt dabei eine zentrale Rolle, indem er die Gehälter der beteiligten Lehrpersonen sowie der Trainerinnen und Trainer finanziert und so die Umsetzung all dieser wichtigen Initiativen ermöglicht.
Schön, dass Sie diesen unvergesslichen Moment mit uns gefeiert haben! Unser Jubiläumsanlass war eine wunderbare Gelegenheit, gemeinsam zurückzublicken und diesen Meilenstein zu würdigen. Die zahlreichen Gäste, das große Interesse und die herzlichen Begegnungen haben diesen Abend besonders gemacht.
Ein besonderer Dank gilt allen, die mit ihren Spenden unser Projekt unterstützt haben. Ihre Großzügigkeit bedeutet uns viel und hilft, unsere Arbeit fortzusetzen.
Ebenso möchten wir unseren engagierten Helferinnen und Helfern danken. Ohne ihren tatkräftigen Einsatz wäre dieser Jubiläumsanlass nicht möglich gewesen.
Wir blicken mit Vorfreude auf die kommenden Jahre und darauf, wie sich unser Projekt weiterhin entwickeln wird.
Ein besonderes Jahr — wir feiern 10 Jahre Engagement für die Bildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Ladakh, Himalaya
Vor zehn Jahren legte Lobzang Rinchen den Grundstein für das Erwachsenenbildungsprojekt in Ladakh. Zahlreiche Erwachsene konnten das Lesen und Schreiben lernen, wodurch sie neue Perspektiven für ihr Leben eröffneten. Gleichzeitig haben Kinder und Jugendliche durch gezielten Winterunterricht ihre schulischen Fähigkeiten ausgebaut. Mit Freude blicken wir auf die positive Entwicklung der letzten Jahre zurück und danken allen, die dazu beigetragen haben.
Wir feierten das 10-jährige Jubiläum mit unseren geschätzten Partnern und Freunden im Studentenwohnheim in Choglamsar.
Sonam Dorje eröffnete den Abend mit einer herzlichen Begrüßung aller Anwesenden. Anschließend hielt Lobzang Rinchen eine unterhaltsame und spannende Rede, in der er die Zuhörer auf eine Reise durch einige bewegende Ereignisse der letzten 10 Jahre mitnahm. Im zweiten Teil seiner Ansprache widmete er sich den wichtigen Themen Bildung und Kulturerhaltung.
Lobzang erwähnte, dass die abgelegenen Bergregionen vor einer grossen Herausforderung stehen. Der Einfluss von «Aussen» verändere die Lebensbedingungen der Menschen. Die Stromerschliessung bringe Fernseher und Elektronik in die Dörfer, die Verkehrsanbindung Luxusgüter und die damit verbundenen Abfallprobleme. Lobzang forderte die Studierenden auf, ihr Wissen über Umweltschutz an die Erwachsenen und Kinder ihrer Familien weiterzugeben.
Ein festliches Abendessen rundete den Abend ab und bot uns die Gelegenheit für persönliche Gespräche. Besonders freuten wir uns, ehemalige Schüler:innen wiederzutreffen, die wir während unseres Besuchs der Internatsschule in Kalthse im Winter 2018 kennengelernt hatten. Sie sind zu selbstbewussten jungen Frauen und Männern herangewachsen.
Eine Schokoladentorte, eigens für die Feier zubereitet, krönte das Fest perfekt ab.Sonam Dorje übergab eine Anerkennungsurkunde als Zeichen der Wertschätzung für unseren Einsatz.Geshe Ngawang Jangchup würdigte unser Engagement mit einer Thangka und erläuterte die philosophische Bedeutung dieses Kunstwerks. Thangkas sind auf Stoff gedruckte Rollbilder, die häufig buddhistische Motive und tiefgreifende Symbolik darstellen.
Wir bedankten uns bei allen ganz herzlich für den tollen Abend, die vielen Geschenke und die herzliche Gastfreundschaft, die uns zuteilwurde. Es war ein unvergesslicher Moment, den wir in guter Erinnerung behalten werden.
Entstehungsgeschichte des Wohnheims in Choglamsar
Geshe Ngawang Jangchup ist der Gründer des Wohnheims in Choglamsar, das er seit über 30 Jahren leitet. Geboren in Lingshed und im dortigen Kloster aufgewachsen, verließ er 1968 als 14-Jähriger seine Heimat, um seine Studien an der tibetischen Klosteruniversität Drepung in Südindien fortzusetzen. 1990 legte er in Varanasi die Abschlussprüfung zum Geshe Lharampa ab, dem höchsten akademischen Grad in der Gelug-Tradition.
Als er 1991 nach 23 Jahren nach Ladakh zurückkehrte, stellte er fest, dass sich das Bildungsniveau in der Region kaum verbessert hatte. Er erkannte, dass der Schlüssel zum Durchbrechen des Armutskreislaufs in der Bildung liegt.
Sein Wunsch war, den Kindern aus der entlegenen Region Senge La eine moderne Bildung als Grundlage zu ermöglichen. Der beste Weg, dieses Ziel zu erreichen, war der Bau eines Wohnheims in der Nähe der Bildungszentren von Leh. Während des Sommerhalbjahres wohnen Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 24 Jahren dort und besuchen umliegende Schulen. In den schulfreien Wintermonaten fand für sie der Förderunterricht statt, den Sonam Dorje und Lobzang Rinchen durchführten.
Der Start des Erwachsenenbildungsprojekts im Lungnaktal, Zanskar, verlief erfolgreich, auch wenn weniger Frauen teilnahmen als ursprünglich geplant.
In der Region Zanskar wurde erstmals der Winterunterricht durchgeführt, an dem rund 60 Frauen teilnahmen. Bei meinem Besuch war ich beeindruckt, wie viele Teilnehmende bereits einfache Texte lesen konnten.
Auf dem Landweg von Dehli nach Ladakh
Der Bezirk Zanskar, der zum Unionsterritorium Ladakh gehört, war lange Zeit nur zu Fuß erreichbar. In den vergangenen Jahren wurde kontinuierlich daran gearbeitet, die abgeschiedene Region und ihre Bewohner mit der Außenwelt zu verbinden. Nach und nach wurden Abschnitte der Trekkingrouten zu Jeep-Pisten ausgebaut. Seit diesem Jahr ist die gesamte Route von Darcha bis Wanla offiziell befahrbar, und Padum, das Verwaltungszentrum von Zanskar, kann nun direkt von Darcha aus mit dem Auto erreicht werden.
In diesem Jahr begleitete mich mein Mann nach Ladakh, und wir reisten auf dem Landweg von der Millionenmetropole Delhi ins «Land der hohen Pässe». Die Reise führte uns vom heißen indischen Flachland, wo die Temperaturen im Mai vor dem Monsun kaum erträglich waren, hinauf in die wüstenhafte Hochgebirgsregion Ladakhs. Unterwegs durchquerten wir die Ausläufer des indischen Himalayas – von den grünen, üppigen Wäldern mit neugierigen Affen bis hinauf zum schneebedeckten Shinkula-Pass auf 5.053 Metern Höhe, der direkt ins Lungnaktal nach Padum führt.
Die neu erschlossene Strasse führt über den Shinkula Pass (5’053 m ü. M.) von Darcha in das Zanskar Tal und spart den Umweg über Leh von etwa 500 km.
Der Projektleiter Nawang Palden erwartete uns mit seinem Auto kurz nach Darcha und wir freuten uns beide auf ein Wiedersehen. Die fünfstündige Autofahrt liess uns viel Zeit, um Neuigkeiten auszutauschen. Am Abend erreichten wir Anmu, eines der fünf Dörfer, welches seit letztem Jahr am Erwachsenenprojekt teilnimmt. Wir übernachteten im Haus des Lehrers Sampel.
Besuch der Dörfer Anmu, Raru, Mune, Pipcha und Sheela: Eindrücke und Fortschritte
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Anmu.
Im Dorf Anmu nahmen sechs Erwachsene am Winterunterricht teil. Dank der kleinen Klassengröße konnten sie besonders intensiv vom Lernangebot profitieren. Der Lehrer Stanzin Sampel, ein staatlich angestellter Lehrer, unterrichtet im Sommer die Dorfkinder. Für ihn ist es eine bereichernde Abwechslung, während der schulfreien Wintermonate für das Projekt EAL tätig zu sein. Die Teilnehmenden erlernten das Lesen in der ladakhischen Sprache Bothi und in Englisch, das Schreiben ihrer Namen sowie grundlegende mathematische Fähigkeiten.
Jampel Sherap war der einzige Mann, der im Lungnaktal am Winterunterricht teilnahm. Besonders interessierte mich seine Motivation, denn Sherap stammt aus einem abgelegenen Bergdorf, das bisher noch nicht ans Strassennetz angebunden ist. In einem persönlichen Gespräch berichtete er mir von seinen Beweggründen.
Sherap ist 38 Jahre alt und in Shade aufgewachsen. In seinem Dorf leben rund 12 Familien. Es liegt auf fast 4’000 Metern Höhe und ist nur über einen drei stündigen Fussmarsch von der nächsten Strasse aus erreichbar. Sherap hatte nie die Gelegenheit eine Schule zu besuchen. Im vergangenen Winter arbeitete er am Strassenbau im Lungnaktal und wohnte bei Verwandten in Anmu. Als er vom Projekt erfuhr, meldete er sich sofort für den Winterunterricht an. Damit erfüllte sich für Sherap ein lang gehegter Wunsch.
Die Lehrpersonen aus dem Dorf Raru berichteten, wie herausfordernd es anfangs war, die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden zu gewinnen. Es stellte sich die Frage, wie das Zuhören als Fähigkeit erlernt und in den Mittelpunkt des Unterrichts gestellt werden kann.
Bei der Zusammenkunft im Dorf Raru gab es einen lebhaften Austausch über die Schwierigkeiten, Lesen und Schreiben zu erlernen.
Wir trafen am Nachmittag in Mune ein. Eifrig lasen die Frauen Texte vor und zeigten uns, was sie im vergangenen Winter in ihren Schulheften notiert hatten. Die Nachricht des Treffens erreichte leider die Hälfte der Frauen auf den weitentfernten Feldern nicht rechtzeitig, sodass sie an der Zusammenkunft fehlten.
Teilnehmerinnen aus dem Dorf Mune.In Pipcha fand die Versammlung mit rund 30 Personen am Abend statt.
Die Lehrer berichteten, dass nach anfänglichen Schwierigkeiten die Teilnehmenden nun Fortschritte verzeichnen können und sich immer mehr sicher im Lesen, Schreiben und Rechnen fühlen. Es war bemerkenswert zu sehen, wie viel sie in kurzer Zeit gelernt haben.
Anschließend bereitete die Dorfgemeinschaft ein gemeinsames Abendessen für alle vor. Bei solchen Anlässen teilen sich die Männer und Frauen die Aufgaben: Die Männer kümmern sich draußen um die Feuerstelle und kochen Tee im großen Kochtopf, während die Frauen für die Zubereitung des Essens verantwortlich sind. Das selbstgebraute Bier (Chang) darf bei keinem Anlass fehlen.
Yangdol servierte die frisch zubereiteten Momos, die sehr lecker waren und sorgte so für einen gemütlichen Abschluss des Treffens.
In Sheela fand im vergangenen Winter kein Unterricht statt, da zu Beginn des geplanten Schulangebotes vier Personen verstorben sind. Der Lehrer war daher für mehr als einen Monat mit den Beerdigungszeremonien beschäftigt.
Ichar, ein weiteres Dorf im Lugnaktal ist am Winterunterricht interessiert
Das Dorf Ichar liegt auf einem Plateau hoch über dem Fluss. Die Felder, die dort bewirtschaftet werden, sind weit verstreut und nur schwer erreichbar.
Ichar umfasst circa 50 Haushalte, in denen rund 150 Menschen leben. Die meisten sind Selbstversorger. Das Dorf liegt 50 km von Padum entfernt und gehört zu den größeren Dörfern im Lungnaktal. Durch Mundpropaganda erfuhr die Dorfgemeinschaft von dem Winterunterricht in den benachbarten Dörfern. Auf dem Weg von Anmu nach Padum besuchten wir Ichar, wo etwa 30 interessierte Frauen und Männer an der Versammlung teilnahmen. Nawang stellte das Erwachsenenbildungsprojekt von EAL sowie die Philosophie und Ziele vor. Die Frauen zeigten großes Interesse. Der Verein EAL hat sich entschieden, Ichar im kommenden Winter in das Erwachsenenprojekt aufzunehmen. Die Lehrkräfte werden von der Dorfbevölkerung organisiert.
Die Versammlung in Ichar fand in einem nüchternen Raum statt, der nur von kühlem Licht erleuchtet wurde. Trotz der einfachen Umgebung war die Stimmung konzentriert und die Teilnehmenden aufmerksam.
Winterunterricht 2023/2024 für Kinder und Jugendliche in der Region Senge La
Winterunterricht für Kinder in Neraks: Ein kleiner Ofen versucht, die Raumtemperatur zu erhöhen, doch trotz seiner Wärme bleibt es kalt.
In den Dörfern der Region Segne La fand der Winterunterricht mit rund 150 Schülerinnen und Schüler statt.
Es freut uns sehr, dass wir Dank den Spendengeldern sechs Lehrpersonen vom Verein Education for Adults in Ladakh zur Verfügung stellen konnten. Die Kinder erhielten schulische Unterstützung in den Fächern Mathematik, Englisch, Hindi, Bothi und Naturwissenschaft. Zum Abschluss wurden Prüfungen abgehalten, die alle Schülerinnen und Schüler erfolgreich bestanden.
Viel Spass bereiteten den Kindern die Freizeit Aktivitäten und Programme, die zusätzlich zum Unterricht stattfanden. Mit grosser Begeisterung bauten sie Schneeskulpturen.
Lingshed
Die Nonne Tashi begleitete mich bei meinem Besuch von Stanzin Dolma.
Stanzin Dolma lebt allein in ihrem Haus. Ihr Mann kam vor vielen Jahren bei einem Lawinenunglück ums Leben, und ihre fünf erwachsenen Kinder sind inzwischen ausgezogen. Ihr Tag beginnt um 05:00 Uhr. Bevor sie sich um die Schafe kümmert und auf dem Feld arbeitet, liest sie täglich 30 Minuten philosophische Texte aus ihrem Gebetsbuch.
Sie sagt, dass ihr das morgendliche Leseritual Kraft gibt. Manchmal bleibt sie jedoch beim Lesen stehen und versteht die Bedeutung des Textes nicht. Das Angebot, Einzelunterricht zu erhalten, nahm sie dankbar an. Gemeinsam mit der Nonne Tashi habe ich vereinbart, ihr sporadisch maximal 50 Stunden Einzelunterricht zu erteilen.
Skiumpata
Winterunterricht in Skiumpata: Die Frauen zeigen kontinuierliches Interesse am Lernen.
Hockey – wird zunehmend zu einem populären Wintersport in den Bergdörfern Senge La
Auch letzten Winter fand in den Dörfern ein Hockey Camp statt. Nach fünf Tagen Training bewegten sich die Kinder schon recht sicher auf dem Eis.
Eine Gruppe Kinder steht stolz auf dem Eis – sie sind die Sieger und wurden für ihre Leistung geehrt.
Ausblick
Der Winterunterricht für Erwachsene im Lungnaktal wird auch in diesem Jahr im gleichen Rahmen wie im letzten Winter fortgesetzt. Nawang Palden wird die Dörfer während des Winters besuchen und die Lehrkräfte betreuen. Der Verein EAL finanziert für den Winterunterricht 2024/2025 die Gehälter von 11 Lehrkräften.
Für den Winterunterricht 2024/2025 in der Region Senge La organisiert der Projektleiter Sonam Dorje zusätzliches Lernangebot in den Dörfern. Der Verein EAL stellt finanzielle Unterstützung für fünf Lehrpersonen zur Verfügung.
Die Kinder haben große Freude am Hockeyspielen. Sofern es die Bedingungen zulassen, wird auch im kommenden Winter wieder ein Hockey-Camp stattfinden. Tsultim, der Präsident von SINGELA PARTNERS, organisiert das Camp in Zusammenarbeit mit Lobzang Rinchen.
In Skiumpata wird der Winterunterricht weiterhin angeboten, während er in den anderen Dörfern der Region Senge La nur sporadisch stattfindet.
Unterstützen Sie mit CHF 20.- die Lehrpersonengehälter für den Winterunterricht 2023/2024 für Jugendliche in den Dörfern der Region Senge La, Ladakh – Himalaya.
Während der Wintersaison bleiben die staatlichen Schulen für drei Monate, von Dezember 2023 bis Februar 2024, geschlossen. Der Winterunterricht wird organisiert, um die schulische Entwicklung zu stärken und zu verbessern und die Schülerinnen und Schüler in ihren Studien besser vorankommen.
Überdies hat das staatliche Bildungsministerium die Hindi Sprache von der 1. bis zur 8. Klasse als Pflichtfach eingeführt. Für den Übertritt in die 9. Klasse müssen die Schüler:innen Prüfungen in Hindi ablegen. Nur wer erfolgreich die Prüfungen absolviert, ist für die 9. Klasse zugelassen.
Für den Winter 2023/2024 organisiert der Projektleiter Sonam Dorje das zusätzliche Lernangebot in sieben Dörfern.
Der Bildungsplan beinhaltet nebst Hindi auch Unterrichtsfächer wie Mathematik, Englisch, Bothi und Wissenschaft. 145 Jugendliche profieren von der Förderung. Insgesamt unterrichten 24 Lehrkräfte.
Der Verein EAL leistet für sechs Lehrpersonen finanzielle Unterstützung.
Herzlichen Dank für Ihre Spende!
Der Vorstand
Trudi Vetsch, Anja Zobrist und Olivia Vetsch
Bei Spenden über CHF 100.- erhalten Sie einen Steuernachweis.
Anfangs September 2023 reiste ich für zwei Wochen nach Ladakh mit dem Ziel, die Aufnahme einer neuen Region ins Erwachsenen-Bildungsprojekt zu prüfen. Nawang Palden, der neue Projektleiter, besuchte bereits im Frühjahr 2023 einzelne Dörfer und befragte die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner nach deren Bedürfnisse und Interesse für Erwachsenenbildung. Aufgrund der positiven Rückmeldung und dem grossen Interesse wurde die Region Zansksar zum Hauptreiseziel der diesjährigen Reise.
Das Kloster Phuktal ist auf einem Felsvorsprung um eine natürliche Höhle herum gebaut.
Zanskar, ein ehemaliges buddhistisches Königreich
Das abgelegene Hochtal liegt 320 km westlich vom geografischen Zentrum Leh auf durchschnittlich 3’500 m. ü. M. Das Gebiet hat eine Fläche von rund 7’000 km². Die Bevölkerungszahl wird etwa auf 20’000 Einwohner:innen geschätzt. Padum, mit beinahe 2’000 Einwohnenden ist der grösste Ort im Tal und das Verwaltungszentrum der Region.
Das an die Region Senge La angrenzende Zanskartal ist über die neu erschlossene Verbindungsstrasse «Wanla-Lingshed-Padum» sowie über die Anbindungstrasse von Kargil erreichbar. In den Wintermonaten ist die Bevölkerung von der Aussenwelt abgeschnitten und nur über den «Chaddar-Trek», den gleichnamigen gefrorenen Fluss, erreichbar.
Eine spektakuläre Schlucht verbindet Zanskar mit der Region Senge La.
Start mit dem Bildungsprojekt im Lungnaktal
Eines der definierten Ziele des Vereins EAL ist der Zugang zu Erwachsenenbildung in weiteren Regionen im Ladakh zu erschliessen. Eine Bekannte vermittelte uns im Winter 2023 den Kontakt von Nawang Palden. Er wohnt mit seiner Familie in Sheela, ein Bergbauerndorf im Lungnaktal, Zanskar. Nach mehreren Telefonaten mit ihm beschloss der Vorstand von EAL ihn als neuen Projektleiter für Erwachsenenbildung zu engagieren.
Nawang Palden, der Projektleiter vor Ort.
Wir freuen uns, mit Nawang Palden einen kompetenten und erfahrenen Partner gewonnen zu haben, dessen langjährige Erfahrungen als Sekretär einer NGO einen wichtigen Beitrag zur weiteren Entwicklung des Erwachsenen-Bildungsprojektes im Zanskar bedeutet.
Das Lungnaktal ist ein 80 km langes Seitental vom Zanskar und verläuft südöstlich von Padum Richtung Darcha. Das Gebiet umfasst 18 Dörfer. Es leben rund 1’400 Menschen in dieser Region. Dank der Vorarbeit von Nawang Palden waren die Dorfgemeinschaften bereits über den Verein EAL informiert. Bei den persönlichen Treffen mit den Dorfbewohner:innen wurde der Verein EAL und deren Philosophie und Ziele nochmals vorgestellt.
Im September 2023 sind die Gemeinden Sheela, Pipcha, Mune, Raru und Anmu ins Erwachsenenbildungsprojekt aufgenommen worden. Im kommenden Winter nehmen 96 Frauen aus diesen Dörfern am Unterricht teil. Dabei hat der Vorstand von EAL neun Lehrpersonen angestellt.
Die zukünftigen Schülerinnen haben alle einen gemeinsamen Wunsch: die ladakhische Sprache Bhoti, lesen und schreiben zu können. Geschrieben wird Bothi in tibetischer Schrift. Die Schriftsprache Bhoti steht dem klassischen Tibetisch nahe.
Organisatorisches
Im Ladakh ist es Tradition, dass bei einer Heirat das vermählte Ehepaar ins Elternhaus des Bräutigams einzieht. Vereinzelt haben Frauen ein Studium absolviert, doch aufgrund der abgeschiedenen Lage der Dörfer ist es für sie beinahe unmöglich in der Umgebung eine Arbeit zu finden. Nawang und ich haben beschlossen, bei der Lehrkraftrekrutierung Frauen mit einem Studienabschlusss den Vorrang zu geben. Bei Anfrage als Lehrperson haben fünf Frauen spontan zugesagt.
Der Winterunterricht startet am 1. Januar 2024 und dauert zwei Monate. Der Unterricht findet an sechs Tage pro Woche mit jeweils zwei bis drei Stunden pro Tag statt. Der Verein EAL stellt für jede neu ins Projekt aufgenommene Teilnehmerin ein Heft und ein Stift zur Verfügung. Für die Lehrpersonen wurde nebst dem Anstellungsvertrag ein Bildungsplan sowie ein Pflichtenheft erarbeitet. Mit der Aufnahme am Winterunterricht verpflichten sich die Teilnehmenden zur Anwesenheit während der ganzen Unterrichtszeit.
Start Winterunterricht 2023/2024 für Erwachsene in fünf Dörfern
Anmu
Die Gerstenähre ziehen die Bauern von Hand aus dem Boden. Links im Bild ist die Erntetruppe ersichtlich.
Anmu liegt auf einer von Gerstenfelder umgebenen Anhöhe im mittleren Teil des Lungnaktals. Durch die Abgeschiedenheit des Dorfes leben die 50 Einwohner:innen weitgehend unabhängig. Die Kinder besuchen die öffentliche Schule im Dorf. Der vom Staat angestellte Lehrer Stanzin Sampel unterrichtet die Schulkinder während dem Sommerhalbjahr. Wir konnten Stanzin als Lehrperson für das Bildungsprojekt gewinnen. Am Winterunterricht nehmen 7 Frauen teil.
Zusammenkunft mit den Dorffrauen und dem Lehrer Stanzin Sampel.
Sheela
Nach der Ernte wird die Gerstenähre quadratförmig zum Trocknen ausgelegt.
Sheela liegt in der Talsohle am Anfang des Lungnaktals. Das Dorf ist üppig grün und steht in völligem Kontrast zu der kargen Landschaft von Zanskar. Im Dorf leben 27 Familien mit durchschnittlich drei Kindern. Am Winterunterricht nehmen 15 Frauen teil.
Raru
Treffpunkt im Dorf
Das Bergdorf Raru ist die grösste Gemeinde im Lungnaktal und liegt auf 3’800 m. ü. M. Eine Ansammlung von Häusern im Sinne eines Dorfkerns umgibt die Gebetsmühle. Annähernd 180 Menschen leben in Raru. Drei Lehrerinnen unterrichten die 34 Teilnehmerinnen.
Pipcha
Das Dorf Pipcha ist terrassenförmig in den steilen Abhang hinein gebaut. Es besteht aus 24 Häuser mit rund 145 Einwohner:innen. Für den Unterricht konnten wir einen Mönch aus dem benachbarten Kloster Bardan als Lehrperson gewinnen. Überdies hat sich ein ehemaliger staatlicher Lehrer zur Verfügung gestellt. 20 Frauen nehmen am Unterricht teil.
Besuch der Dorfgemeinde in Pipcha.
Mune
Versammlung mit den Teilnehmenden in Mune.
Das Dorf Mune umfasst 22 Haushalte und zählt 120 Einwohner:innen. Am Unterricht nehmen 20 Teilnehmerinnen teil.
Region Senge La
Winterunterricht 2023/2024 für Erwachsene in den Dörfern der Regio Senge La
Auf der Rückreise nach Leh verweilte ich drei Tage in den Dörfern des Senge La. In Gesprächen mit den Teilnehmerinnen wurde eindeutig der Wunsch geäussert, ein weiteres Jahr den Winterunterricht besuchen zu dürfen. Sechs Nonnen aus dem Kloster Lingshed stehen weiterhin als Lehrerinnen zur Verfügung. In Skiumpata und Yulchung sind die Stellen derzeit vakant. Rund 78 Frauen profitieren von diesem Angebot in der Region Senge La.
In Skiumpata findet der Unterricht bei sonnigem Wetter draussen statt.
Winterunterricht für Studierende der Region Senge La
Während der Wintersaison bleiben die staatlichen Schulen für drei Monate, von Dezember 2023 bis Februar 2024, geschlossen. Der Winterunterricht wird organisiert, um die schulische Entwicklung zu stärken und zu verbessern und die Schülerinnen und Schüler in ihren Studien besser vorankommen.
Überdies hat das staatliche Bildungsministerium die Hindi Sprache von der 1. bis zur 8. Klasse als Pflichtfach eingeführt. Für den Übertritt in die 9. Klasse müssen die Schüler:innen Prüfungen in Hindi ablegen. Nur wer erfolgreich die Prüfungen absolviert, ist für die 9. Klasse zugelassen.
Für den Winter 2023/2024 organisiert der Projektleiter Sonam Dorje das zusätzliche Lernangebot in sieben Dörfern.
Der Bildungsplan beinhaltet nebst Hindi auch Unterrichtsfächer wie Mathematik, Englisch, Bothi und Wissenschaft. 145 Jugendliche profieren von der Förderung. Insgesamt unterrichten 24 Lehrkräfte.
Der Verein EAL leistet für sechs Lehrpersonen finanzielle Unterstützung.
Hockey Camp auf 4’000 m. ü. M.
Der Verein EAL unterstützt seit 2019 die Sportaktivität für Kinder und Studierende. Mittels der Sammelaktion «Hockey-Ausrüstung für Ladakh» überreichte der Verein EAL-Schlittschuhe, Helme, Handschuhe sowie Schläger und Schoner an den örtlichen Projektleiter Lobzang Rinchen. Schuh- und Sporthaus Joos aus Schiers überreichte letzten Winter 20 kg Hockeyausrüstung an den Verein EAL.
Ein herzliches Dankeschön an Schuh- und Sporthaus Joos Schiers!
Die in Leh ansässige SINGELA PARTNERS WELFARE ASSOCIATION wurde am 5. Januar 2020 gegründet. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Eishockeysport auch in unzugänglichen Gebieten unter den Jugendlichen zu fördern und zu verbreiten.
In der Wintersaison 2022/2023 organisierte Lobzang Tsultim, der Präsident von SINGELA PARTNERS, in Zusammenarbeit mit Lobzang Rinchen, das erste Hockey Camp für Kinder.
Gruppenfoto der Kinder aus Neyraks.
Ein Bericht des Präsidenten Lobzang Tsultim:
Wir haben acht Teilnehmer im Dorf Neyraks. Für all diese Kinder war es die erste Erfahrung mit dem Schlittschuhlaufen. Auch die Kinder und ihre Eltern waren sehr erfreut über die Möglichkeit, eine neue Sportart kennen zu lernen. Das Camp wurde von den Organisatoren sieben Tage lang durchgeführt. Danach haben wir den Kindern Schlittschuhe und andere Ausrüstung zur Verfügung gestellt, damit sie einen Monat lang selbst üben können.
Unterstützen Sie mit CHF 20.- die Lehrpersonengehälter für den Winterunterricht 2022/ 2023 für Jugendliche der Region Senge La in Choglamsar, Ladakh – Himalaya. Der Betrag geht vollumfänglich an das Projekt.
Während den Winterferien werden für zwei Monate rund 80 Schülerinnen und Schüler von vier Lehrpersonen unterrichtet. Das Ziel dieses zusätzlichen Lernangebotes ist es, die Grammatik in den Fremdsprachen Englisch, Tibetische Sprache und Hindi zu vertiefen. In Ergänzung zum Schulunterricht findet dieses Jahr wieder ein Hockeytraining statt. EAL beteiligt sich mit einem finanziellen Beitrag für die Trainer. Die Ausrüstung wurde im Jahr 2019 durch eine Sammelaktion von EAL gesponsert.
Herzlichen Dank für Ihre Spende!
Der Vorstand
Trudi Vetsch, Anja Zobrist und Olivia Vetsch
Bei Spenden über CHF 100.- erhalten Sie einen Steuernachweis.
Im Juli 2022 reiste ich für drei Wochen nach Ladakh und freute mich, nach zwei Jahren Grenzschliessung, die Projektleiter sowie altbekannte Freunde und die Teilnehmerinnen aus den Dörfern zu treffen.
Teerunde
Seit acht Jahren ist EAL für die Erwachsenenbildung in der Region Senge La tätig. Im Jahr 2022 setzte sich der Vorstand das Ziel den IST-Zustand des Projektes zu erfassen. Mittels persönlicher Befragungen der Projektbeteiligten soll der Bildungsstand, die Entwicklungspotenziale sowie die Interessen zur Weiterführung des Bildungsangebotes überprüft werden.
Standortbestimmung
Die Versammlungen für die Standortbestimmung fanden in den Schulungsräumen oder bei Privatpersonen der Dörfer Lingshed, Skiumpata, Gongma, Yulchung und Neyraks statt. Die Informationen der Teilnehmenden Frauen aus dem weit entfernten Dipling erhielt ich von Sonam Dorje, dem Projektleiter. Insgesamt nahmen 89 Frauen, welche das Bildungsangebot von EAL nutzen, an der Umfrage teil.
Vier zentrale Fragen standen im Zentrum:
Überprüfung der Lesekompetenz, indem die Frauen einzeln einen Abschnitt aus dem Buch vorlasen
Alter der anwesenden Frauen
den Wissensstand vor Aufnahme ins EAL-Projekt
das weitere Vorgehen für den kommenden Winter erkunden: was ist ihre Motivation und welche Lerninhalte sollen vermittelt werden
Auswertungsergebnisse:
90 % der befragten Teilnehmerinnen können fliessend lesen. Das Durchschnittsalter aller Teilnehmenden liegt bei 47 Jahre. 11 % der Frauen kannten das Alphabet vor Beitritt zum Projekt oder haben die Schule bis zur 10. Klasse besucht. 80 % der Befragten möchte den Winterunterricht weiterhin besuchen. Als Lernstoff wird mehrheitlich das Vertiefen des Leseverständnisses gewünscht. Unterrichtsfächer wie Schreiben, Rechnen oder Englisch sind für sie zur Zeit von geringerer Bedeutung.
Teilnehmerinnen der Fraktion Telingkhor, Lingshed
Entwicklung persönlicher Kompetenzen
Das Ziel von EAL, Bildung für Erwachsene zu vermitteln, wurde mit dem tollen Ergebnis weit übertroffen. Die hohe Motivation, der Wille und die Bereitschaft lesen zu lernen bildeten die Grundlage dafür. Zudem hat die Lesefähigkeit das Selbstbewusstsein der Frauen gefördert.
Die Standortbestimmung zeigte auf, dass
der Wunsch der Projektbeteiligten vorhanden ist, dass das Projekt von EAL weitergeführt wird
eine Vertiefung des Leseverständnisses, besonders von buddhistischen Texten, erwünscht ist
Yulchung
Die Frauen aus dem Bergdorf Yulchung haben Eigendynamik und Eigeninitiative entwickelt. Letzten Winter trafen sie sich mehrere Male in der Woche im Handwerksraum, um gemeinsam zu lesen und zu stricken.
Bei meinem Besuch teilten sie stolz mit, dass sie ohne Lehrkraft auskommen. Die Wissensvermittlung findet untereinander statt. Versiertere Teilnehmerinnen unterstützen die weniger versierten Teilnehmerinnen, es sei ein Geben und Nehmen, erklärte die Dorfvorsteherin. Der Leitgedanke von EAL: Hilfe zur Selbsthilfe wird erfüllt.
Herzliche Gratulation für diesen erfreulichen Schritt in die Selbständigkeit.
nach dem Treffen wird im Handwerksraum gemeinsam gekocht
Lingshed Internatsschule
Primarschüler Lingshed Hostel
Im März 2022 öffnete nach zwei Jahren pandemiebedingter Schliessung die Internatsschule in Lingshed wieder. Zum Schulbeginn konnten nicht alle staatlichen Lehrpersonen die Stelle antreten, da im April und Mai Weiterbildungen und Examen stattfanden. Der Projektleiter Sonam Dorje organisierte daraufhin für diese Zeit Privatlehrkräfte, damit die fehlenden Unterrichtsfächer wie Mathematik, Naturwissenschaft, Sozialwissenschaften und Tibetan Grammatik abgedeckt werden konnten. Auf Anfrage von Sonam Dorje leistete EAL den finanziellen Beitrag für sechs Lehrgehälter in der Internatsschule Lingshed sowie je ein Lehrgehalt der Dorfschulen von Yulchung und von Dipling.
Aktion Lesebrillen
Bei meinem letzten Besuch im Jahr 2019 stellte ich bei den älteren Schüler und Schülerinnen vermehrt eine Alterssichtigkeit (Presbyopie) fest. Salgina Optik in Schiers sponserte 150 Lesebrillen in fünf verschiedenen Sehstärken. Die Nachfrage der Lesebrillen war gross, fast alle Brillen fanden neue Besitzer.
die älteste Teilnehmerin beim Brillen testenein willkommenes Geschenk
Herzlichen Dank an Marcel Marchion.
Geschäft Salgina Optik in Schiers
Winterunterricht 2022/2023
Der Winterunterricht für den kommenden Winter wird in den Dörfern Lingshed, Skiumpata, Gongma, Dipling und Neyraks weiterhin durchgeführt. Organisiert werden die Lehrkräfte wie anhin von den Teilnehmenden selbst.
In Ladakh ist es Tradition, dass bei Heirat das frisch vermählte Ehepaar ins Elternhaus des Bräutigams einzieht. Zugezogene Frauen begrüssen das Bildungsangebot von EAL. Sie sind interessiert, motiviert und freuen sich am Bildungsangebot von EAL teilzunehmen. Die Anzahl der Teilnehmenden erhöht sich um 12 bis 15 Frauen.